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Fachkarriere in der Schweiz: Wege für Spezialistinnen und Spezialisten

Eine Fachkarriere verläuft nicht über Personalverantwortung, sondern über fachliche Tiefe: Wer diesen Weg wählt, baut in einem abgegrenzten Feld Expertise auf, sammelt Zertifikate, Abschlüsse und…

Warum sich die Fachkarriere 2025 neu rechnet

Eine Fachkarriere verläuft nicht über Personalverantwortung, sondern über fachliche Tiefe: Wer diesen Weg wählt, baut in einem abgegrenzten Feld Expertise auf, sammelt Zertifikate, Abschlüsse und Projektverantwortung, führt aber kein Team. Gemessen wird diese Karriere an der Nachfrage nach der Fachlichkeit, nicht an der Zahl unterstellter Mitarbeitenden.

Der Fachkräftemangel-Index Schweiz – die Studie der Adecco Gruppe Schweiz und des Stellenmarkt-Monitor Schweiz (SMM) der Universität Zürich, publiziert am 27. November 2025 – liegt 2025 rund 22 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Zahl der offenen Stellen ging gegenüber dem Vorjahr um 8 Prozent zurück, die Zahl der Stellensuchenden nahm um 17 Prozent zu. Die Arbeitslosenquote stieg von 2.3 Prozent (2024) auf 2.8 Prozent (2025).

Für die Fachkarriere heisst das: Sie ist kein Selbstläufer mehr. Wer sie plant, klärt zuerst, ob die eigene Berufsgruppe überhaupt nachgefragt ist, und richtet die Spezialisierung auf ein Feld aus, in dem Betriebe tatsächlich Stellen besetzen. Wer sich weiterbildet, ohne die Nachfrageseite zu prüfen, erwirbt einen Abschluss ohne Adressaten.

Gesundheit, Bau und Technik: wo Spezialisierung weiterhin trägt

Von den 32 untersuchten Berufsgruppen sind 2025 nur noch 4 vom Fachkräftemangel betroffen. Rang 1 belegen weiterhin Spezialistinnen und Spezialisten in Gesundheitsberufen, darunter Fachärztinnen und Fachärzte, Pflegefachkräfte sowie Apothekerinnen und Apotheker. Besonders gefragt bleiben laut der Studie Fachkräfte im Gesundheits-, Bau- und Technikbereich.

Rückläufig ist die Nachfrage dagegen bei Büro-, Verwaltungs- und kaufmännischen Fachkräften sowie bei ICT- und Informatikberufen. Beide Gruppen gelten laut aktuellen Studien als besonders stark gegenüber KI exponiert. Marcel Keller, Country President der Adecco Gruppe Schweiz, nennt im Studienbefund mehrere Faktoren: schwache Exportnachfrage, verhaltene Investitionen und wirtschaftliche Unsicherheiten dämpften die Beschäftigungsdynamik, während der private Konsum stabilisierend wirke. Zugleich verändere der verstärkte KI-Einsatz die Arbeitswelt: «KI-exponiertere Jobs verzeichnen weniger Stellenausschreibungen und höhere Arbeitslosigkeit.» All diese Faktoren hätten den Fachkräftemangel spürbar entspannt.

Daraus ergibt sich als Kompass eine zweigeteilte Landschaft. In Gesundheits-, Bau- und Technikberufen trägt eine vertiefte Spezialisierung weiterhin, weil die Tätigkeiten an Präsenz, Handwerk oder regulierte Verantwortung gebunden sind. In den rückläufigen Feldern muss die Spezialisierung anders begründet werden – etwa über regulatorisches Wissen, Kunden- und Fallverantwortung oder über eine Nische, die sich nicht in Standardprozesse auflösen lässt. Wer dort bleibt, prüft zuerst die Nachfrage und erst danach die Weiterbildung.

Fachkräftemangel-Index 2024 vs. 2025: Entwicklung in der Schweiz

  • 2025Fachkräftemangel-Index — 22 % unter Vorjahreswert
  • 2025Anzahl offener Stellen — 8 % Rückgang gegenüber 2024
  • 2025Anzahl Stellensuchender — 17 % Zunahme gegenüber 2024

Berufsgruppen mit Fachkräftemangel 2025 – Rangliste

  1. GesundheitsberufeRang 1
  2. Bau- und BautechnikHoch nachgefragt
  3. TechnikberufeHoch nachgefragt
  4. Kaufmännische FachkräfteRückläufig
  5. ICT- und InformatikberufeRückläufig

Fachlich führen statt Personal führen

Die Schweiz hat zu viele Führungskräfte: Sie zählen zu den Berufsgruppen mit dem zweitgrössten Überangebot an Stellensuchenden. Das hielt SRF unter Verweis auf den Stellenmarkt-Monitor Schweiz der Universität Zürich bereits 2022 fest. Damals wurden zwei Gründe genannt: Die Berufskategorie ist sehr breit definiert – sie umfasst Geschäftsführerinnen ebenso wie Hüttenwarte oder Galeristinnen –, und längst nicht alle Kaderstellen werden publiziert. Bei der Besetzung von Kaderpositionen seien Direktansprache und Netzwerke entscheidend; im Top-Management würden schätzungsweise etwa 90 Prozent der Stellen gar nicht ausgeschrieben, so der Arbeitsmarkt-Experte Marcel Keller.

Der Kaderweg ist damit doppelt anspruchsvoll: hohe Konkurrenz auf der einen, ein überwiegend informeller Auswahlprozess auf der anderen Seite. Eine Fachkarriere folgt anderen Mechanismen. Sichtbarkeit entsteht hier über nachgewiesene Fachkompetenz – dokumentierte Projekte, Zertifikate, Referenzen, Fachbeiträge und überregionale Kontakte in der eigenen Disziplin.

Wer fachlich vorankommen will, braucht daher eine andere Vorbereitung als jemand, der eine Führungsrolle anstrebt: nicht Führungserfahrung als Hauptargument, sondern belegbare Ergebnisse, abgeschlossene Weiterbildungen und ein klar benennbares Spezialgebiet, für das im Betrieb oder am Markt Bedarf besteht.

Weiterbildung nach Lehre oder Hochschulabschluss: die formellen Wege

Die Plattform berufsberatung.ch bündelt die formalen Bausteine einer Fachkarriere in getrennten Rubriken: Weiterbildungsmöglichkeiten nach einem Lehrabschluss, Weiterbildungsmöglichkeiten nach einem Hochschulabschluss, Berufsabschluss für Erwachsene und EFZ für Erwachsene. Hinzu kommen «Aus- und Weiterbildungen suchen» sowie die Rubrik «Eine Weiterbildung planen» mit den Themen Kosten und Bewertungskriterien.

Die Zuordnung richtet sich nach der eigenen Ausgangslage. Wer eine berufliche Grundbildung abgeschlossen hat, findet Angebote, die auf dem Berufsabschluss aufbauen. Wer einen Hochschulabschluss mitbringt, findet solche, die daran anknüpfen. Für Quereinsteigende ohne anerkannten Abschluss führen die Wege «Berufsabschluss für Erwachsene» und «EFZ für Erwachsene» zu einem formalen Abschluss, der Voraussetzung für weiterführende Titel sein kann.

Vor der Anmeldung sind die Kosten und die Bewertungskriterien zu klären, die berufsberatung.ch in einer eigenen Rubrik führt. Praktisch zu prüfen sind: Trägerschaft und Anerkennung des Abschlusses, Zeitmodell (berufsbegleitend oder Vollzeit), Präsenzanteil, Gesamtkosten und eine mögliche Beteiligung des Arbeitgebers samt Rückzahlungsklausel, falls das Arbeitsverhältnis vorzeitig endet.

Klinische Fachspezialistin: ein neues Berufsbild als Modellfall

In der Schweiz kommen 4.3 Ärztinnen und Ärzte auf 1000 Einwohner, mehr als im OECD-Schnitt; fast jeder dritte stammt aus dem Ausland, und das Durchschnittsalter der Ärzteschaft liegt bei 50 Jahren. Krankenhäuser haben deshalb Mühe, vakante Arztstellen zu besetzen. Genau hier setzt das Berufsbild der Klinischen Fachspezialistin und des Klinischen Fachspezialisten an: Es entlastet Ärztinnen und Ärzte bei ärztlichen Assistenzaufgaben.

Am Departement Gesundheit in Winterthur führt die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) einen auf ein Jahr angelegten Studienlehrgang durch, der mit dem «Certificate of Advanced Studies (CAS) klinische Fachspezialistin/klinischer Fachspezialist» abschliesst. Zugangsvoraussetzung ist eine anerkannte Ausbildung als Gesundheitsfachperson mit mindestens zweijähriger Berufspraxis. Der Lehrgang richtet sich in erster Linie an Pflegekräfte, steht aber auch Ärztinnen und Ärzten offen, die Praxisthemen vertiefen wollen.

Der Klinikalltag zeigt, was die Rolle umfasst. In einem Bericht vom 1. Juli 2020 beschreibt die Schulthess Klinik als konkrete Aufgaben: aktive Teilnahme an den Ärzterapporten, morgendliche Visite inklusive klinischer Untersuchung, Verordnungen, Verlaufsdokumentation, Röntgenanmeldungen, Berichtswesen, Ausstellung von Rezepten und weitere Koordinationsaufgaben. Die Kompetenzen gehen damit klar über die des übrigen Pflegepersonals hinaus; die medizinische Verantwortung liegt weiterhin beim Arzt. Für die chirurgischen Assistenzärzte verändert sich dadurch das Aufgabenspektrum: Sie können sich stärker auf den Operationssaal und die Sprechstunde fokussieren.

Wie solche Fachkarrieren entstehen, ist ebenfalls dokumentiert: In der Schulthess Klinik startete die Funktion im Juli 2018 als einjähriges Projekt mit Rahel Käufeler in der Abteilung Schulter- und Ellbogenchirurgie. Seit Anfang 2020 ist mit Michael Fuchs ein Klinischer Fachspezialist in der Wirbelsäulenchirurgie tätig, im August 2020 folgten zwei weitere in der Knie- und Hüftchirurgie. Weil das Berufsbild in der Schweiz noch relativ neu und der Bildungsweg noch nicht einheitlich definiert ist, sind Klinische Fachspezialisten in der Regel diplomierte Pflegefachpersonen HF mit mehrjähriger Berufserfahrung; der Weg kann aber auch zu einem Bachelor of Science FH in Nursing führen, den Rahel Käufeler seit Oktober 2019 berufsbegleitend absolviert.

Zahlen zur Fachkarriere im Gesundheitswesen

  • CAS-Lehrgang Dauer — 1 Jahr

Weg zur Klinischen Fachspezialistin: Von der Praxis zur Zertifizierung

  1. Schritt 1Anerkannte Ausbildung als Gesundheitsfachperson
  2. Schritt 2Mindestens 2 Jahre Berufspraxis
  3. Schritt 3Teilnahme am CAS-Lehrgang ZHAW (1 Jahr)
  4. Schritt 4Abschluss mit Certificate of Advanced Studies (CAS)

Standortbestimmung mit Unterstützung: BIZ und kantonale Laufbahnberatung

Die Berufsinformationszentren (BIZ) sind die zentralen Anlaufstellen für Fragen zu Berufswahl, Ausbildung und Weiterbildung. Dort sind Beratungsgespräche, Eignungstests und die Einsicht in Informationsmaterial zu verschiedenen Berufen möglich. Ergänzend führen die Kantone eigene Stellen für Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung, etwa ask! – Beratungsdienste für Ausbildung und Beruf in Aarau (Herzogstrasse 1, 5000 Aarau, 062 832 64 00), das Laufbahnzentrum Baselland in Pratteln (Schlossstrasse 1, 4133 Pratteln, 061 552 29 00) oder das BIZ Bern (Bremgartenstrasse 37, 3012 Bern, 031 633 80 00). Termine werden je nach Kanton über ein Onlineformular oder telefonisch vereinbart.

Für die Selbstbeurteilung stellt berufsberatung.ch Instrumente bereit: den Laufbahn-Fragebogen mit der Ausgangsfrage «Wo stehen Sie beruflich?», den Studien-Interessen-Check zur Prüfung, ob eine Studienrichtung passt, sowie die Infotage der Hochschulen für die Information vor Ort.

Diese Klärung gehört vor die Investition in eine Weiterbildung. Drei Fragen sind zu beantworten: Welche Kompetenzen sind bereits belegt und dokumentiert? Wie sieht die Nachfrage in der eigenen Berufsgruppe aus? Und welcher Abschluss fehlt konkret für die angestrebte Funktion? Erst danach lohnt sich die Wahl zwischen den Weiterbildungswegen nach Lehre, nach Hochschulabschluss oder über einen Berufsabschluss für Erwachsene.

Vor der Weiterbildung: Wichtige Fragen zur Selbstbeurteilung

  • Welche Kompetenzen sind bereits belegt und dokumentiert?
  • Wie ist die Nachfrage in meiner Berufsgruppe?
  • Welcher Abschluss fehlt konkret für die angestrebte Funktion?

Vom Plan zur Bewerbung

Erster Schritt: Aus- und Weiterbildungsangebote gezielt über berufsberatung.ch suchen, statt sich von einzelnen Anbietern leiten zu lassen. Dort lässt sich prüfen, ob ein Abschluss anerkannt ist und ob das Zeitmodell zum Arbeitsalltag passt.

Zweiter Schritt: Lohn berechnen und verhandeln. Die entsprechende Rubrik auf berufsberatung.ch hilft, die Lohnfrage früh zu klären – insbesondere dann, wenn die Weiterbildung mit einem Funktionswechsel verbunden ist und die neue Rolle im Betrieb noch nicht eingereiht ist.

Dritter Schritt: Bewerbung vorbereiten. Dazu gehören die Rubriken «Eine Stelle suchen» und «Bewerbung» mit den zugehörigen Unterlagen. Kontakte zu Fachkreisen und früheren Projektpartnern ergänzen die schriftliche Bewerbung.

Vierter Schritt: Bei Interesse den Weg in die Selbstständigkeit prüfen. berufsberatung.ch bündelt unter «Firmengründung – Sich selbstständig machen» die nötigen Informationen, bevor aus einer spezialisierten Fachperson eine Unternehmerin oder ein Unternehmer wird.

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