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Stellensuche

Stellensuche in der Schweiz: Kanäle, Strategien und verdeckter Arbeitsmarkt

Vor der ersten Bewerbung lohnt sich eine ehrliche Standortbestimmung.

Zuerst das Ziel: Vorbereitung vor der ersten Bewerbung

Vor der ersten Bewerbung lohnt sich eine ehrliche Standortbestimmung. Klären Sie zuerst, welches Karriereziel Sie mit der neuen Stelle verfolgen: Wollen Sie mehr Verantwortung übernehmen oder in ein anderes Tätigkeitsgebiet wechseln? Daraus ergibt sich, welche Anforderungen die angestrebte Position an Sie stellt.

Prüfen Sie danach, ob Sie diese Anforderungen schon erfüllen oder sich zuerst weiterbilden müssen. Ein Blick auf die Website Ihres Branchenverbands zeigt, ob dort Weiterbildungen empfohlen oder eigene Kurse angeboten werden. In der Aus- und Weiterbildungsdatenbank von berufsberatung.ch finden Sie passende Angebote.

Wer diese Lücke kennt, formuliert die Bewerbung gezielter und kann im Gespräch erklären, weshalb eine fehlende Qualifikation kein Hindernis ist. Die Vorbereitung ist daher kein Umweg, sondern die Grundlage aller weiteren Schritte.

Schritte zur effektiven Vorbereitung vor der Bewerbung

  1. Klärung des Karrierezielsmehr Verantwortung oder Berufswechsel?
  2. Prüfung der aktuellen Qualifikationen gegenüber den Anforderungen
  3. Identifizierung von Weiterbildungsbedarf via Branchenverbänden oder berufsberatung.ch
  4. Formulierung einer gezielten Bewerbung mit Erklärung fehlender Qualifikationen

Der verdeckte Arbeitsmarkt: Kontakte und Empfehlungen

Viele offene Stellen werden nie ausgeschrieben, sondern über Kontakte oder Empfehlungen besetzt. Eine der wirksamsten Massnahmen ist deshalb, das persönliche und berufliche Umfeld über die eigene Stellensuche zu informieren.

Dabei braucht es Fingerspitzengefühl: Überlegen Sie gut, wen Sie einweihen. Wer in einem festen Arbeitsverhältnis steht, riskiert die aktuelle Stelle, wenn die Suche im falschen Kreis bekannt wird. Vertrauenspersonen aus dem Privatleben, ehemalige Vorgesetzte oder Personen aus dem weiteren beruflichen Netzwerk sind meist die sicherere Wahl als die direkte Belegschaft im eigenen Betrieb.

Wie viel das Netzwerk bringt, zeigt eine Erhebung von JobCloud in Zusammenarbeit mit dem LINK Institut aus dem Jahr 2023: 30 Prozent der befragten Stellensuchenden fanden dank persönlicher Kontakte eine neue Stelle. Bei jüngeren Generationen spielt das persönliche Netzwerk laut dieser Studie eine noch grössere Rolle.

Konkret: Erzählen Sie in Gesprächen, welche Art von Stelle Sie suchen, und bitten Sie darum, dass man an Sie denkt, wenn im Umfeld eine passende Position frei wird. Je klarer Sie sagen, was Sie suchen, desto eher kann Ihr Umfeld eine konkrete Empfehlung aussprechen.

Zahlen zur Stellensuche in der Schweiz

  • Anteil der Stellen, die über Kontakte besetzt werden30 %
  • Anzahl offener Stellen auf jobagent.chüber 250'000
  • Anzahl Arbeitgebender auf publicjobs.chüber 1'000

Vorteile und Risiken bei der Einbeziehung des Arbeitsumfelds

Vorteil
Direkte Empfehlung durch vertraute Personen
Nachteil
Risiko des Verlusts der aktuellen Stelle bei unvorsichtiger Kommunikation
Empfohlene Kontaktpersonen
ehemalige Vorgesetzte, Privatfreunde
Risikoreichere Kontakte
aktuelle Kollegen im eigenen Betrieb

Stellenportale mit Suchprofil und Jobmail nutzen

Auf Stellenportalen veröffentlichen Unternehmen ihre offenen Stellen. Sie sind der Kanal mit den meisten sichtbaren Inseraten und für fast jede Suche ein sinnvoller Ausgangspunkt.

Effizient werden Portale mit einem hinterlegten Suchprofil: Legen Sie ein Profil an und definieren Sie Funktionen, Branchen und Regionen, die Sie interessieren. Das Portal informiert Sie dann über neue Stellen, ohne dass Sie täglich selbst suchen müssen – bei vielen Anbietern heisst dieser Dienst Jobmail.

Zu den allgemeinen Schweizer Stellenportalen gehören jobs.ch, jobscout24.ch, careerjet.ch, jooble.org und jobagent.ch. jobagent.ch bezeichnet sich selbst als Job-Suchmaschine, die nach eigenen Angaben über 250'000 offene Stellen in der Schweiz findet.

Eine Studie von JobCloud mit dem LINK Institut aus dem Jahr 2023 zeigt, wie verbreitet dieser Kanal ist: Fast zwei Drittel der mehr als 1'000 befragten aktiv und passiv Stellensuchenden in der Deutsch- und Westschweiz hatten sich in den zwölf Monaten vor der Befragung auf Jobportalen nach offenen Stellen umgesehen. Die Befragten nutzten durchschnittlich zwei verschiedene Jobportale.

Viele Anbieter stellen zusätzlich eine App bereit, damit neue Inserate auch unterwegs nicht verpasst werden. Nützlich sind auch die Firmenprofile: Dort lernen Sie Arbeitgebende mit Standort, Grösse und Tätigkeitsgebiet vorab kennen und können nachlesen, was andere über sie sagen – eine gute Grundlage vor der Bewerbung.

Vergleich der Stellensuchkanäle nach Nutzungshäufigkeit (2023)

  • Persönliches Netzwerk — 30 % der Befragten

Beliebteste Stellenportale in der Schweiz

  1. jobs.chHauptportal für allgemeine Stellenangebote
  2. jobagent.chJob-Suchmaschine mit über 250'000 Inseraten
  3. jobscout24.chWeiteres zentrales Portal mit breiter Reichweite
  4. careerjet.chInternationaler Anbieter mit Fokus auf Schweiz

Branchenportale, öffentliche Hand und Temporärstellen

Spezialisierte Stellenportale konzentrieren sich auf bestimmte Berufsgruppen, Branchen oder Kaderstellen. Wer weiss, in welchem Feld die eigene Stelle ausgeschrieben wird, spart damit viel Suchzeit. Beispiele sind medienjobs.ch für den Medienbereich, sozjobs.ch für soziale Berufe und itjobs.ch für die Informatik.

Wer sein Spezialportal nicht kennt, findet es mit einer Online-Suche nach Branche oder Beruf, etwa «IT Jobs Schweiz» oder «Sozialbereich Stellen».

Für den öffentlichen Sektor führt der Bund ein eigenes Stellenportal (jobs.admin.ch); betrieben wird es vom Eidgenössischen Personalamt. Stellen bei Gemeinden, Städten, Kantonen, Spitälern, Schulen, Kirchen und gemeinnützigen Organisationen bündelt publicjobs.ch. Die Plattform nennt nach eigenen Angaben über 1'000 verschiedene Arbeitgebende und ordnet die Stellen nach Tätigkeit und Kategorie, von Medizin und Gesundheitswesen über Bildung bis zur öffentlichen Sicherheit. Zusätzlich lassen sich Organisationsprofile anschauen, um einen Arbeitgebenden vor der Bewerbung besser kennenzulernen.

Wer zeitlich flexibel ist oder zuerst Berufserfahrung sammeln möchte, findet auf temp-stellen.ch Temporärstellen aus der ganzen Schweiz.

Soziale Netzwerke und Karriereseiten als Recherchekanäle

Soziale Netzwerke sind selten der Ort, an dem eine Stelle ausgeschrieben wird, aber ein gutes Recherchewerkzeug. Wer ein Profil auf LinkedIn oder Xing anlegt oder sein bestehendes aktualisiert, streut die eigene Stellensuche breiter und wird für Arbeitgebende und Vermittelnde auffindbar.

Man kann diese Netzwerke auch anders nutzen: um Unternehmen kennenzulernen und Branchentrends zu verfolgen. Wer sieht, welche Themen eine Branche gerade beschäftigen, kann im Bewerbungsschreiben und im Gespräch zeigen, dass er oder sie sich mit dem Feld auseinandersetzt.

Ergänzend lohnt sich ein Blick auf die Karriereseiten der Wunscharbeitgebenden. Laut der JobCloud-Studie von 2023 folgen Karriereseiten bei den Stellensuchenden direkt nach den Jobportalen als wichtiger Kanal, und rund ein Drittel der Befragten gab an, sich auch über soziale Netzwerke nach neuen Herausforderungen umzusehen. Auf Karriereseiten erscheinen Stellen teils früher oder ausschliesslich, und sie zeigen, wie ein Unternehmen auftritt und welche Werte es betont.

Private Vermittlung und Spontanbewerbungen

Private Stellenvermittlungsbüros suchen im Auftrag von Unternehmen geeignete Mitarbeitende. Häufig sind sie auf bestimmte Berufsgruppen spezialisiert. Für Stellensuchende ist die Vermittlung gratis; bezahlt wird sie von den Unternehmen. Bekannte Anbieter sind randstad.ch, adecco.ch und manpower.ch.

Der zweite direkte Weg führt an den Stellenportalen vorbei: die Spontanbewerbung. Bei grossen Unternehmen sind Spontanbewerbungen willkommen. Wer in einem spezialisierten Tätigkeitsbereich arbeitet, fährt besonders gut damit, gezielt passende Firmen anzuschreiben – Betriebe, deren Tätigkeit und Grösse zur eigenen Qualifikation passen.

Sinnvoll ist eine überschaubare Liste von Wunschunternehmen, die Sie regelmässig überprüfen. Eine kurze, gut recherchierte Anfrage mit Bezug zur konkreten Tätigkeit des Betriebs überzeugt mehr als ein Serienanschreiben an unpassende Adressen.

Kostenlose offizielle Kanäle: Job-Room

Neben den privaten Angeboten gibt es offizielle, kostenlose Online-Dienste. Die Plattform Job-Room (job-room.ch) ist die zentrale Anlaufstelle: Dort finden Stellensuchende Stellen und die offiziellen Online-Dienste, und die Nutzung ist kostenlos.

Wer sich einen Überblick über die offiziellen Online-Dienste verschaffen will, findet sie damit gebündelt an derselben Stelle wie die Stellen selbst. Job-Room lässt sich ohne Zusatzkosten in die eigene Suche einbauen und ergänzt die privaten Portale um eine amtliche Quelle.

Dossier, Gesprächsvorbereitung und mehrere Kanäle parallel

Erstellen Sie für jede Bewerbung ein eigenes Dossier. Ein klassisches Bewerbungsdossier umfasst ein Bewerbungsschreiben, einen Lebenslauf und die relevanten Zeugnisse; entscheidend ist, dass Sie die Unterlagen auf die konkrete Stelle zuschneiden und nicht dieselbe Version mehrfach versenden.

Ein auf die Stelle zugeschnittenes Dossier ist genauso wichtig wie die gründliche Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch. Informieren Sie sich vor dem Gespräch über das Unternehmen – über Tätigkeitsgebiet, Standort und aktuelle Entwicklung. Wer den Betrieb kennt, kann Fragen stellen, die zeigen, dass die Bewerbung ernst gemeint ist.

Und schliesslich: Verlassen Sie sich nicht auf einen einzigen Kanal. In der JobCloud-Studie von 2023 gaben die Befragten an, durchschnittlich zwei verschiedene Jobportale für die Suche zu nutzen, und die Kandidatinnen und Kandidaten sind häufig auf mehreren Kanälen unterwegs. Wer Stellenportale, persönliches Netzwerk, Karriereseiten und direkte Kontakte kombiniert, erhöht die Chance, schneller die passende Stelle zu finden.

Ganzheitlicher Ansatz zur Stellensuche in der Schweiz

  1. Parallelnutzung mehrerer KanälePortale, Netzwerk, Karriereseiten
  2. Erstellung eines individuellen Dossiers pro Bewerbung
  3. Gründliche Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch mit Unternehmensrecherche
  4. Nutzen offizieller Quellen wie Job-Room und publicjobs.ch

Quellen

  1. berufsberatung.ch/de/jobs-und-weiterbildung/eine-stelle-suchen
  2. jobs.ch/de
  3. publicjobs.ch
  4. jobs.admin.ch
  5. jobcloud.ch/c/de-ch/blog/erkenntnisse-jobsuchende
  6. arbeit.swiss/api/media/fileservice/sdweb-docs-prod-arbeitswiss-fi…
  7. jobagent.ch
  8. temp-stellen.ch