Bewerbung
Anschreiben verfassen: Aufbau und Formulierungen für Schweizer Arbeitgeber
Das Anschreiben ergänzt den Lebenslauf: kurz, klar und auf den Punkt zeigt es, warum eine Person zu dieser Stelle und diesem Unternehmen passt.
Warum das Anschreiben in der Schweiz Gewicht hat
Das Anschreiben ergänzt den Lebenslauf: kurz, klar und auf den Punkt zeigt es, warum eine Person zu dieser Stelle und diesem Unternehmen passt. Zwingend verlangt wird es in der Schweiz nicht bei jeder Stelle, gelesen wird es aber gern – es macht Motivation und Wertschätzung sichtbar. Gebräuchlich sind auch die Bezeichnungen Motivationsschreiben und Begleitbrief.
Üblich ist heute eine Länge von einer Seite; Qualität zählt mehr als Länge. Verschickt wird das Anschreiben fast immer digital als PDF. Bei einer Bewerbung per E-Mail sollte die PDF-Datei drei bis vier Megabyte nicht übersteigen, und das Anschreiben in der E-Mail fällt etwas ausführlicher aus und unterscheidet sich vom Bewerbungs- oder Motivationsschreiben im PDF. Für Online-Formulare gelten die jeweiligen Zeichen- oder Feldvorgaben.
Wichtige Fakten zum Anschreiben in der Schweiz
- Empfohlene Länge
- eine Seite
- Versandform
- digital als PDF
- Sprache der Bewerbung
- Deutsch, Französisch, Italienisch oder Englisch (nach Inserat)
Briefkopf, Betreff und Datum: der formale Rahmen
Zuoberst stehen die vollständigen Kontaktangaben: Vor- und Nachname, Adresse, Telefonnummer und E-Mail-Adresse. Darunter folgen Firmenname und Firmenadresse sowie, wenn möglich, eine konkrete Ansprechperson; ist kein Name bekannt, sind die Personalabteilung oder die zuständige Fachabteilung eine gute Wahl. Ort und Datum gehören ebenfalls in den Briefkopf. Die Kopfzeile mit Name und Kontaktdaten wird idealerweise im gleichen Stil gehalten wie im CV.
In der Schweiz steht das Datum linksbündig, nicht auf der rechten Seite wie in Deutschland. Der Betreff beschreibt direkt, worum es geht: das Wort «Bewerbung», die konkrete Stellenbezeichnung aus dem Inserat und optional einen Bezug auf ein Inserat oder ein Gespräch, zum Beispiel «Bewerbung als Account Managerin – Karrieremesse Zürich am 22. Januar 2026». Beworben wird in der Sprache der Stellenausschreibung, also auf Deutsch, Französisch, Italienisch oder Englisch.
Anrede und Grussformel nach Schweizer Konvention
Die Ansprechperson wird möglichst mit Namen recherchiert und direkt angesprochen. Lässt sich kein Name finden, bleibt die allgemeine Anrede «Sehr geehrte Damen und Herren». Nach der Anrede folgt in der Schweiz kein Komma wie in Deutschland, kein Ausrufezeichen wie in Österreich und kein Doppelpunkt wie in den USA: Der Text fährt in der nächsten Zeile in Grossschreibung fort.
Abgeschlossen wird mit «Freundliche Grüsse» und dem Namen.
Der erste Absatz: echtes Interesse statt Einleitungsfloskeln
Die Einleitung weckt Interesse, ist kurz und prägnant und regt zum Weiterlesen an. Sie beantwortet zwei Fragen: Was hat an der Stelle angesprochen, und warum interessiert genau dieses Unternehmen? Statt Begeisterung nur zu behaupten, wird konkret benannt, wodurch sie entsteht – durch eine bestimmte Aufgabe, das Umfeld, ein Projekt oder die Werte des Arbeitgebers.
Auf überflüssige Einleitungen wird verzichtet: Formeln wie «hiermit bewerbe ich mich» oder «ich habe die Stelle auf Ihrer Webseite gefunden» tragen nichts bei. Jeder Satz soll so prägnant und relevant wie möglich sein.
Hauptteil: Passung belegen, nicht den Lebenslauf wiederholen
Im Hauptteil wird die Passung belegt, nicht der Lebenslauf nacherzählt. Ausbildung und Berufserfahrung werden mit den Anforderungen der Stelle verknüpft und gezielt auf die Bedürfnisse des Unternehmens ausgerichtet; die Leitfrage lautet: Welches Problem löse ich für dieses Unternehmen? Was im CV als Stichwort steht, wird an ausgewählten Punkten vertieft und mit Beispielen illustriert.
Als Strukturhilfe dient das Modell YOU–ME–WE mit Abschluss. YOU steht für den Einstieg und den Bezug zur Stelle: Was fällt im Inserat auf, welche Aufgaben, welches Umfeld oder welche Werte sprechen an? ME steht für das eigene Profil: fachlicher Hintergrund, Kompetenzen und der Nachweis, dass sie zur Stelle passen – etwa indem akademische Erfahrungen in Kompetenzen und Ergebnisse übersetzt werden, die für den Arbeitgeber relevant sind, zum Beispiel Projektmanagement, Datenanalyse oder Stakeholder-Kommunikation. WE führt beides zusammen und zeigt den Mehrwert für den Betrieb.
Formulierungen: konkret, aktiv und glaubwürdig
Sprachlich gilt: aktive, konkrete und positive Formulierungen, Fakten und Beispiele statt Werturteile. Eine Beschreibung der eigenen Aufgabe, der eingesetzten Mittel und des erzielten Ergebnisses überzeugt mehr als eine Behauptung über den eigenen Charakter. Standardsätze sowie Marketing- und Werbeslogans von der Website des Arbeitgebers werden nicht übernommen; geschrieben wird in der Ich-Form.
Formulierungshilfen: Statt einer Behauptung über den eigenen Charakter («Ich bin teamfähig») beschreibt man eine konkrete Aufgabe, das Vorgehen und das Ergebnis. Nützlich sind aktivische Tätigkeitsverben wie «koordiniert», «analysiert», «eingeführt», «optimiert» oder «verhandelt», jeweils verbunden mit dem erreichten Nutzen für den Betrieb. Ebenso lassen sich Kompetenzen über Beispiele belegen, etwa indem man eine Aufgabe aus Ausbildung oder Beruf nennt, die eingesetzten Mittel beschreibt und das erzielte Resultat festhält. Wer keine passende Formulierung findet, orientiert sich an der Struktur «Ausgangslage – Vorgehen – Ergebnis» und prüft, ob der Satz eine konkrete Information enthält.
Ein Standardschreiben für jede Bewerbung ist zu vermeiden – der Text wird an Stelle, Arbeitgeber und Branche angepasst. Wer KI-Tools zur Unterstützung nutzt, prüft den Entwurf kritisch, passt ihn sprachlich an die eigene Person an und ergänzt eigene Beispiele, damit der Stil persönlich und glaubwürdig bleibt. Rechtschreibung und Grammatik werden kontrolliert und der Text von jemandem gegengelesen.
Abschluss und letzte Kontrolle vor dem Absenden
Das Schreiben endet mit dem Hinweis, dass man sich über eine Einladung zum Gespräch freut, und mit der Bereitschaft, für Rückfragen zur Verfügung zu stehen. Zum Dossier gehören üblicherweise Zeugnisse, Referenzen und Nachweise: Arbeitszeugnisse, Ausbildungszeugnisse und Referenzen früherer Arbeitgeber bestätigen Fähigkeiten und Leistungen und geniessen in der Schweiz einen hohen Stellenwert. Ein klassisches Dossier umfasst Bewerbungsschreiben, optional ein Deckblatt, den Lebenslauf und die Anhänge mit Zeugnissen, Empfehlungsschreiben und Referenzlisten.
Vor dem Absenden: für jede Bewerbung ein eigenes Dossier erstellen statt eine Sammelbewerbung zu verschicken; Namen, Adressen und Stellenbezeichnung genau prüfen, besonders wenn dieselbe Vorlage mehrfach verwendet wird; Rechtschreibung und Grammatik kontrollieren lassen; Layout, Struktur und Schriftgrösse parallel zum CV halten.