Bewerbung
Bewerbung in der Schweiz: Unterlagen, Ablauf und Vorstellungsgespräch
In der Schweiz ist das Bewerbungsdossier klar strukturiert. Üblicherweise enthält es das Bewerbungsschreiben, optional ein Deckblatt, den Lebenslauf, ein Begleit- bzw.
Das Bewerbungsdossier: Was hineingehört
In der Schweiz ist das Bewerbungsdossier klar strukturiert. Üblicherweise enthält es das Bewerbungsschreiben, optional ein Deckblatt, den Lebenslauf, ein Begleit- bzw. Motivationsschreiben sowie Anhänge wie Zeugnisse, Empfehlungsschreiben und Referenzlisten.
Zeugnisse und Referenzen haben in der Schweiz einen hohen Stellenwert: Mit Arbeitszeugnissen, Ausbildungszeugnissen und Referenzen früherer Arbeitgeber belegen Sie Ihre Fähigkeiten, Leistungen und Kompetenzen. Einzelne Arbeitgeber verlangen ausdrücklich ein vollständiges Dossier – mit Motivationsschreiben, Lebenslauf mit Foto, Arbeitszeugnissen und idealerweise Zertifikaten. Ein zusätzliches Video kann das Dossier ergänzen, die genannten Dokumente aber nicht ersetzen.
Bewerben Sie sich auf unterschiedliche Berufe oder Funktionen, erstellen Sie für jede Ausrichtung eine passende Version und legen Sie die Fassungen getrennt ab – so verschicken Sie stets die richtige Unterlage.
Pflicht- und Empfehlungs-Elemente im Bewerbungsdossier
- BewerbungsschreibenPflicht
- Lebenslauf mit FotoOptional, aber empfohlen für persönlichen Touch
- Arbeitszeugnisse und AusbildungszeugnisseHöchster Stellenwert – unverzichtbar für viele Unternehmen
- MotivationsschreibenEmpfohlen, wenn es sich vom Anschreiben unterscheidet
- Referenzen mit ZustimmungPflicht, wenn angefordert – vorher abklären
- Video-BeitragNicht obligatorisch, kann ergänzend sein
Lebenslauf: Aufbau und typische Angaben
Ein guter tabellarischer Lebenslauf ist klar und übersichtlich gegliedert und vermittelt dem Lesenden in wenigen Sekunden das Wichtigste. Der Umfang sollte zwei bis drei Seiten nicht überschreiten. Als Titel genügt «Lebenslauf».
Zu den persönlichen Angaben zählen Vor- und Nachname, die vollständige Adresse ohne Abkürzungen sowie Telefonnummern mit der jeweiligen Bezeichnung (Mobil, Festnetz, Büro, Privat). Am besten geben Sie nur eine Nummer an, unter der Sie immer erreichbar sind; in der Bewerbungsphase sollte der Anrufbeantworter eingeschaltet und seriös besprochen sein. Auch die E-Mail-Adresse sollte professionell sein.
Pflicht sind das vollständige Geburtsdatum, der Heimat- oder Geburtsort – haben Sie einen Heimatort in der Schweiz, nennen Sie diesen, sonst den Geburtsort – sowie die Nationalität. Ausländische Staatsangehörige führen ihre Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung auf, zum Beispiel Ausweis C oder B. Ob Sie Zivilstand, Kinder oder die Familie erwähnen, bleibt Ihnen überlassen.
Danach folgen die Stationen: die Schulbildung – beginnend mit der aktuellen Schule, danach die früheren –, Ausbildung und Berufserfahrung sowie weitere Erfahrungen wie Schnupperlehren oder besuchte Veranstaltungen, sofern sie zur Stelle passen. Anschliessend listen Sie Ihre Sprachkompetenzen auf – beginnen Sie immer mit der Muttersprache – sowie Ihre IT- und KI-Kenntnisse.
Hobbys und Interessen beschreiben Sie kurz und sachlich; alternativ nennen Sie an dieser Stelle Ihre Stärken und Fähigkeiten. Als Referenzen geben Sie Auskunftspersonen mit Namen und Telefonnummern an und fragen diese vorher, ob sie einverstanden sind. Beim Lebenslauf ist in der Schweiz keine Unterschrift üblich.
Bewerbungsfoto: freiwillig, aber mit Wirkung
Verlangt die Stellenausschreibung kein Foto, steht es Ihnen frei, eines beizufügen. Mit einem Foto wirkt die Bewerbung jedoch persönlicher.
Ein gutes Bewerbungsfoto erfüllt einige Standards: Es ist aktuell (höchstens rund zwei Jahre alt) und von hochwertiger Qualität und Auflösung; es darf in Farbe oder schwarz-weiss gehalten sein. Der Hintergrund ist neutral, der Bildausschnitt beschränkt sich auf Kopf und Schulterpartien – ein Ganzkörperporträt ist ungeeignet. Die Grösse liegt zwischen 4,5 x 6,5 cm und 6 x 9 cm.
Beim Auftritt zählen ein sympathisches, entspanntes und freundliches Lächeln, ein natürliches und gepflegtes Äusseres sowie formelle, dezente Kleidung, die für ein Bewerbungsgespräch in der entsprechenden Branche angemessen ist.
Verzichten Sie auf Selfies, Handyfotos, private Aufnahmen und Urlaubsbilder; auch Automatenpassbilder sind nicht optimal. Entscheidend ist, dass Sie authentisch und ehrlich wirken.
Vorteile und Risiken des Bewerbungsfotos
- Vorteile
- Macht die Bewerbung persönlicher, erhöht die Wahrnehmung durch Personalvermittler
- Nachteile
- Kann als übertrieben oder unprofessionell wirken, wenn nicht ansprechend gestaltet
Anschreiben und Motivationsschreiben: Bezug statt Floskeln
Lebenslauf und Anschreiben sollten mit den Anforderungen der Stellenausschreibung und den Werten des Unternehmens übereinstimmen. Wer die Ausschreibung aufmerksam liest und die eigenen Argumente darauf ausrichtet, wirkt überzeugender als mit einer allgemein gehaltenen Bewerbung.
Häufige Schwächen sind ein fehlender roter Faden im Lebenslauf, ein unpassendes oder generisches Anschreiben mit Standardphrasen und zu viel Text bei zu wenig Aussage. Setzen Sie stattdessen auf konkrete Argumente, eine klare Aussage und einen nachvollziehbaren Aufbau. Lücken im Werdegang sollten Sie erklären können, statt sie kommentarlos stehen zu lassen.
Ein Motivationsschreiben kann das Bewerbungsschreiben ergänzen. Stimmen Sie beide Texte inhaltlich aufeinander ab und vermeiden Sie Redundanzen.
Formalia und Einreichung
Nutzen Sie für die Bewerbung möglichst die Sprache, die in der Stellenanzeige verwendet wird. Recherchieren Sie den richtigen Ansprechpartner und sprechen Sie ihn direkt mit Namen an. Nach der Anrede folgt in der Schweiz weder ein Komma noch ein Ausrufezeichen noch ein Doppelpunkt; in der nächsten Zeile fahren Sie mit Grossschreibung fort. Das Datum wird linksbündig eingefügt.
Mit akademischen Titeln wird in der Schweiz zurückhaltend umgegangen: Den Doktortitel können Sie nennen, Master- oder Diplom-Ingenieur-Titel müssen Sie nicht erwähnen. Beim Notensystem gilt die Skala von 1 bis 6, wobei die 6 die Bestnote darstellt.
E-Mail-Bewerbungen sind in der Schweiz gang und gäbe. Versenden Sie die Unterlagen als PDF-Dokument, das eine Grösse von drei bis vier Megabyte nicht übersteigt. Das Anschreiben in der E-Mail darf etwas ausführlicher ausfallen, sollte sich aber vom Bewerbungs- oder Motivationsschreiben im PDF unterscheiden. Bei einer Bewerbung per Post legen Sie Wert auf eine gute Qualität der Bewerbungsmappe.
Wichtige Fakten zur Bewerbung in der Schweiz
- Durchschnittliche Antwortzeit
- Innerhalb von zwei Wochen
- Maximale Lebenslauf-Länge
- Zwei bis drei Seiten
- Geburtsdatenangabe
- Pflicht – inkl. Heimat- oder Geburtsort
- Nationalität
- Pflicht bei allen Bewerbungen
Der Ablauf: von der Eingangsbestätigung bis zum Entscheid
Nach dem Eingang der Bewerbung erhalten Sie in der Regel umgehend eine Empfangs- oder Eingangsbestätigung, damit Sie wissen, dass die Unterlagen angekommen sind. Danach werden die Unterlagen gesichtet und geprüft.
Ein Beispiel aus der Praxis zeigt den typischen Ablauf: Zunächst meldet sich das Unternehmen für ein kurzes Telefoninterview, in dem erste wichtige Details besprochen und die nächsten Schritte erklärt werden. In diesem Gespräch werden Sie auch zu Ihren Lohnvorstellungen befragt. Nach dem Telefoninterview folgt eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch und zum Probearbeiten – dafür lohnt es sich, einen ganzen Tag einzuplanen. Sind bis zu diesem Punkt alle Fragen geklärt, werden Referenzen eingeholt; anschliessend fällt der endgültige Entscheid.
Beim persönlichen Gespräch sind in der Regel jemand aus der Personalabteilung sowie die potenziell künftige direkte vorgesetzte Person anwesend. Die Ansprechperson für allgemeine Fragen zur Bewerbung ist unter dem jeweiligen Stellenangebot mit Namen, E-Mail-Adresse und Telefonnummer aufgeführt.
Zu den Fristen: Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, dass Unternehmen sich in der Regel innerhalb von zwei Wochen melden; so gibt etwa die Arbeitgeberin FORTYSEVEN an, innerhalb von zwei Wochen eine Antwort zu geben. Warten Sie länger als angekündigt, ist eine höfliche Nachfrage angemessen.
Vorstellungsgespräch: vorbereitet auftreten
Informieren Sie sich vor dem Gespräch über die Stelle und den Betrieb, damit Sie den Bezug zwischen Ihren Erfahrungen und der ausgeschriebenen Aufgabe herstellen können. Halten Sie Ihre Unterlagen griffbereit und machen Sie sich Notizen zu Ihren wichtigsten Argumenten.
Klären Sie vorgängig, wer am Gespräch teilnimmt und wie der Ablauf aussieht. Bereiten Sie Fragen zum Lohn und zu den Arbeitsbedingungen vor, denn Lohnfragen werden bereits im Telefoninterview oder spätestens im persönlichen Gespräch angesprochen.
Auch eine Absage ist kein endgültiger Schluss: Eine erneute Bewerbung ist möglich. Im selben laufenden Verfahren ist eine Wiederholung zwar nicht vorgesehen, doch zu einem späteren Zeitpunkt steht einer neuen Bewerbung nichts entgegen.
Bewerbung aus dem Ausland
Sie können sich auch bewerben, ohne einen Wohnsitz in der Schweiz zu haben. Gerade Bewerbungen aus den EU-/EFTA-Staaten sind willkommen.
Thematisieren Sie die Bewilligungsfrage offen in Ihrem Dossier: Ausländische Staatsangehörige führen ihre Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung an, zum Beispiel Ausweis L, B oder C. Wer noch keine Bewilligung hat, sollte dies transparent erwähnen, statt die Frage offenzulassen.
Beim Arbeitgeber FORTYSEVEN etwa kümmert sich das Unternehmen erst nach der Vertragsunterzeichnung um alle notwendigen Formalitäten für die Arbeits- und Aufenthaltsbewilligung. Klären Sie im Gespräch, was von Ihrer Seite zu welchem Zeitpunkt benötigt wird.
Quellen
- berufsberatung.ch/de/lebenslauf-erstellen
- jobscout24.ch/de/bewerbungsratgeber/agent
- ratbacher.com/ch/blog-bewerber/bewerbung-schweiz
- careerservices.uzh.ch/de/ratgeber/bewerbung/bewerbungsdossier/Lebenslauf.html
- fortyseven.ch/jobs/fragen
- jobs.ch/de/berufe/angebotsingenieur
- bewerbungsmeister.ch/blogs/bewerbungstipps/bewerbung-schreiben-lassen
- manpower.ch/de/joblog/blogs/2025/03/18/blog