Löhne

Gehaltsverhandlung in der Schweiz: Argumente, Datenquellen und Spielräume

Für Schweizer Stellen sind Lohnangaben fast nie Fixbeträge, sondern Bandbreiten.

Was verhandelbar ist – und wo die Grenzen liegen

Für Schweizer Stellen sind Lohnangaben fast nie Fixbeträge, sondern Bandbreiten. lohncomputer.ch nennt für Maurer einen Bruttolohn von CHF 4'000 bis CHF 13'000 pro Monat, bei einem Durchschnitt von CHF 8'500 pro Monat (CHF 63'000 pro Jahr). Metzger liegen zwischen CHF 2'500 und 7'583 pro Monat, Lehrer zwischen CHF 4'250 und 13'875. jobs.ch weist für Softwareentwickler CHF 53'000 bis 164'000 aus, für Pflegefachpersonen CHF 44'000 bis 128'000 und für Bauleiter CHF 47'000 bis 145'000.

Solche Banden umfassen den ganzen Laufbahnverlauf – vom Einstieg bis zur langjährigen Fachkraft mit erweiterter Verantwortung. Verhandelbar ist daher nicht die gesamte Bandbreite, sondern die Position in dem Abschnitt, der zur ausgeschriebenen Funktion, zum Aufgabenumfang und zur Erfahrungsstufe passt. Wer die Spanne als Ganzes zitiert, liefert dem Gegenüber die Begründung für eine tiefere Einreihung gleich mit.

Der Spielraum hängt vom Arbeitgebertyp ab. Der Lohnleitfaden von ibani (Datenbasis jobup.ch) hält fest: Im öffentlichen Sektor liegen die Einstiegslöhne für weniger qualifizierte Stellen oft höher als in der Privatwirtschaft; dort sind die Perspektiven für Führungskräfte deutlich besser. Im öffentlichen Sektor läuft die Anpassung vor allem über Einreihung, Erfahrungsstufen und formelle Kriterien, in der Privatwirtschaft zusätzlich über Funktionsbezeichnung, Verantwortungsstufe und variable Lohnbestandteile.

Nach unten bilden gesetzliche und vertragliche Mindestlöhne die Grenze. Für Genf nennt der ibani-Leitfaden einen Mindestlohn von 24.59 CHF pro Stunde, indexiert auf den 1. Januar 2026. Nach oben begrenzen Lohnbänder, Lohnklassen und Budgets: Ein Betrieb, der eine Stelle einer bestimmten Klasse zuordnet, verhandelt innerhalb dieser Klasse, nicht über sie hinweg.

Median oder Durchschnitt: die richtige Vergleichszahl wählen

Der Medianlohn für eine Vollzeitstelle in der Schweiz liegt bei rund CHF 6'800 pro Monat, also über CHF 80'000 pro Jahr. Der Durchschnittslohn, das arithmetische Mittel, liegt deutlich höher und übersteigt CHF 95'000 pro Jahr; hohe Einkommen in der Finanz- und Pharmabranche ziehen ihn nach oben (ibani, Datenbasis jobup.ch).

Der Median teilt die Löhne in zwei Hälften: 50 Prozent verdienen weniger, 50 Prozent mehr; er bildet damit das typische Einkommen ab. Das Mittel reagiert auf die obersten Einkommen. Wer sein Salär am Durchschnittslohn misst, vergleicht sich mit einer Grösse über dem typischen Einkommen – die eigene Position erscheint schlechter, als sie in der Verteilung ist.

Für die Verhandlung heisst das: zuerst mit dem Median der eigenen Funktion, des eigenen Kantons und der eigenen Erfahrungsstufe vergleichen; die Landesmedianzahl dient nur als Ausgangspunkt. Der Leitfaden weist zudem darauf hin, dass Frauen im Durchschnitt weiterhin weniger verdienen als Männer und dass der Bund diese Lücke aktiv bekämpft. Lohntabellen ohne Aufschlüsselung nach Geschlecht lassen deshalb offen, ob der ausgewiesene Wert für die eigene Gruppe gilt.

Lohnverhandlungsrelevante Kennzahlen (Schweiz)

Medianlohn Vollzeit
CHF 6'800 pro Monat
Durchschnittslohn
über CHF 95'000 pro Jahr
Mindestlohn Genf (2026)
CHF 24.59 pro Stunde

Vorteile und Nachteile von Durchschnitts- vs. Median-Löhnen

Pro: Medianlohn
Gibt typisches Einkommen wieder; weniger beeinflusst durch Spitzenlöhne.
Con: Medianlohn
Kann unterhalb von tatsächlichen Marktpreisen liegen, wenn in spezialisierten Branchen gehandelt wird.
Pro: Durchschnittslohn
Höheres Niveau kann für Spitzenpositionen relevant sein.
Con: Durchschnittslohn
Wird durch hohe Einkommen in Finanz- und Pharmabranche verzerrt.

Beruf, Kanton und Erfahrungsstufe als Argumentationsbasis

Der Lohnleitfaden «Durchschnittslohn Schweiz 2026» (ibani, Datenbasis jobup.ch) nennt für Vollzeitstellen folgende monatliche Bruttomedianlöhne: Zürich rund CHF 8'000, Basel-Stadt rund CHF 7'850, Genf rund CHF 7'600, Zug rund CHF 7'500 und Waadt rund CHF 6'900. Als Treiber nennt die Quelle in Basel die Chemie- und Pharmaindustrie (Roche, Novartis), in Zürich und Zug den Finanzsektor und die Steuerbedingungen. Eine Lohnzahl aus einem anderen Kanton ist damit kein gültiger Vergleichsmassstab für die eigene Situation.

Berufsspezifische Zahlen liefert jobs.ch, jeweils mit Anzahl ausgewerteter Löhne und Spanne: Pflegefachperson Durchschnitt CHF 79'320 bei 10'755 Löhnen (CHF 44'000–128'000), Softwareentwickler CHF 93'748 bei 3'474 Löhnen (CHF 53'000–164'000), Bauleiter CHF 90'000 bei 4'344 Löhnen (CHF 47'000–145'000), Elektriker CHF 68'250 bei 3'173 Löhnen (CHF 33'000–105'000), Maler CHF 64'611 bei 1'482 Löhnen (CHF 31'000–103'000), Physiotherapeutin CHF 75'002 bei 1'907 Löhnen (CHF 38'000–117'000).

lohncomputer.ch deckt nach eigenen Angaben 221 Berufe mit Spanne, Kanton und Berufserfahrung ab. Für Maurer nennt die Quelle eine Monatsspanne von CHF 4'000 bis 13'000, für Lehrer CHF 4'250 bis 13'875, für Oberarzt CHF 8'333 bis 21'667 und für Pilot Captain CHF 7'833 bis 18'333. Entscheidend ist die Einordnung innerhalb dieser Spanne: Einstiegsjahr, Anzahl Jahre in vergleichbarer Funktion, Ausbildungsabschluss und Verantwortungsumfang bestimmen, welcher Teil der Spanne für die eigene Person überhaupt zur Diskussion steht.

Monatliche Bruttomedianlöhne nach Kanton (2026)

Zürich
CHF 8'000
Basel-Stadt
CHF 7'850
Genf
CHF 7'600
Zug
CHF 7'500
Waadt
CHF 6'900

Woher die Zahlen kommen – und wie belastbar sie sind

Amtliche Grundlagen liefern das Bundesamt für Statistik (BFS) mit Statistiken zu Löhnen, Erwerbseinkommen und Arbeitskosten sowie das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) mit der Arbeitsmarktstatistik. Das SECO publiziert monatlich Zahlen zu Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Stellensuchenden und offenen Stellen, stellt sie über amstat.ch mit Berichten und Analysen bereit und liefert eine Pressedokumentation mit Definitionen sowie ein Leporello mit den wichtigsten Kennzahlen. In der SECO-Statistik erscheinen alle Personen, die bei einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum angemeldet, ohne Stelle und sofort vermittelbar sind – unabhängig davon, ob sie Arbeitslosenentschädigung beziehen; die Arbeitslosenquote setzt diese Zahl ins Verhältnis zur Erwerbspersonenzahl gemäss Strukturerhebungsdaten des BFS. Diese Grössen beschreiben die Marktlage, nicht das Lohnniveau.

Lohnportale arbeiten mit anderen Daten. jobs.ch gliedert seine Lohnangaben nach Berufen, Branchen, Standorten und Erfahrungsstufen und fordert Nutzerinnen und Nutzer auf, den eigenen Lohn anonym anzugeben, um Lohndaten freizuschalten – die ausgewiesenen Werte beruhen also mindestens teilweise auf Selbstdeklaration. Ausgewiesen wird ein Durchschnittslohn, nicht ein Median, jeweils mit der Zahl der erfassten Löhne (etwa 10'755 für Pflegefachpersonen, 1'242 für Logistikfachleute, 1'002 für IT-Projektleiter). Der ibani-Leitfaden stützt sein Lohnbarometer auf jobup.ch-Daten und deckt über 40 Berufe in allen Kantonen ab.

Vor jeder Verwendung einer Zahl sind sechs Punkte zu prüfen: Grösse der Stichprobe (bei 1'000 erfassten Löhnen ist die Streuung grösser als bei 10'000), Datum der letzten Aktualisierung, Brutto- oder Nettowert, Vollzeitäquivalent, Durchschnitt oder Median und Übereinstimmung der Funktion (Bauleiter, Projektleiter und Teamleiter sind verschiedene Rollen). Amtliche Statistik und Selbstdeklaration beantworten unterschiedliche Fragen: Die eine beschreibt die Verteilung, die andere die Selbsteinschätzung der Erwerbstätigen. Für die Verhandlung sind mindestens zwei voneinander unabhängige Quellen zu vergleichen; wo sie auseinanderliegen, ist die Spanne das Ergebnis, nicht der Einzelwert.

Vom Bruttolohn zum verfügbaren Einkommen

Vom Bruttolohn gehen zuerst die Sozialabzüge ab – AHV/IV/EO, Arbeitslosenversicherung, berufliche Vorsorge und Nichtberufsunfallversicherung –, bevor die Einkommenssteuern von Bund, Kanton und Gemeinde fällig werden. Die Krankenkassenprämien zahlt die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer zusätzlich selbst. Eine Lohnerhöhung wirkt deshalb nie eins zu eins: Ein Teil geht über die Progression an die Steuer, ein weiterer Teil an die Sozialwerke; je nach Tarif kann ein höherer Lohn einen höheren Grenzsteuersatz auslösen.

Weil Steuern kantonal und kommunal erhoben werden und die Prämienlast nach Kanton, Region und Versicherungsmodell variiert, sind Bruttolöhne über Kantonsgrenzen hinweg nur beschränkt vergleichbar: Die Differenz zwischen dem Zürcher Medianlohn von rund CHF 8'000 und dem Waadtländer Wert von rund CHF 6'900 (ibani) sagt nichts darüber, wie viel nach Steuern und Prämien übrig bleibt. Der ibani-Leitfaden behandelt daher neben den Löhnen auch Steuern und Krankenversicherung; lohncomputer.ch stellt jeder Berufsseite eine Funktion «Netto berechnen» zur Seite.

Vor der Verhandlung ist deshalb für die aktuelle und die angestrebte Lohnsumme je eine Netto-Rechnung mit dem Steuerrechner des Wohnkantons und den tatsächlich bezahlten Prämien zu erstellen. Bringt eine geforderte Erhöhung von 300 Franken brutto nur einen kleinen Nettozuwachs, ist zu prüfen, ob sich dasselbe Ziel über andere Bestandteile erreichen lässt: Pauschalspesen, Beteiligung des Arbeitgebers an einer Prämie, höhere BVG-Beiträge des Arbeitgebers, mehr Ferien oder ein höheres Pensum. Diese Bestandteile werden unterschiedlich besteuert und sind daher nicht gleichwertig.

Vom Vergleich zur begründeten Forderung

Der erste Schritt ist eine Bandbreite aus mehreren Quellen – für genau die eigene Funktion, den eigenen Kanton und die eigene Erfahrungsstufe, nicht für eine verwandte Berufsbezeichnung. Daraus werden zwei Zahlen abgeleitet: eine Zielzahl, begründet durch die Position in der Spanne, und eine Untergrenze, unterhalb derer die Stelle nicht angenommen wird. Die Zahlen werden erst genannt, wenn das Gegenüber die Einreihung offengelegt hat.

Als Argumente dienen Erfahrung, Verantwortung und Marktlage. Erfahrung ist als Anzahl Jahre in vergleichbarer Funktion und als Umfang vergleichbarer Aufgaben zu belegen; Verantwortung als Teamgrösse, Budget- oder Projektvolumen, Pikett- oder Schichtverpflichtung. Für die Marktlage liefert die SECO-Statistik monatlich aktualisierte Zahlen zu offenen Stellen, Stellensuchenden und Arbeitslosigkeit; die Statistik erfasst nur bei einem RAV angemeldete, sofort vermittelbare Personen ohne Stelle – dieser Vorbehalt ist bei der Verwendung der Quote zu erwähnen, damit die Zahl im Gespräch hält. Bei derselben Funktion in Regionen mit knapper Besetzung ist eine Position im oberen Drittel der Spanne besser begründbar als in Regionen mit vielen Bewerbungen.

Auf den häufigsten Einwand, man liege bereits am oberen Rand des Lohnbands, wird sachlich geantwortet: nach der Struktur des Bands fragen (Anzahl Stufen, Zuordnungskriterien, ob die Vergleichsgruppe dieselbe Funktion und Erfahrungsstufe umfasst), auf die in den Quellen ausgewiesenen Maximalwerte derselben Funktion verweisen – jobs.ch weist für Softwareentwickler bis CHF 164'000 und für Bauleiter bis CHF 145'000 aus – und bei einer tatsächlich festen Einreihung auf ausserordentliche Zulagen, eine Funktionserweiterung oder eine verbindliche Neubeurteilung zu einem festen Datum wechseln.

Vorgehen bei der Gehaltsverhandlung: Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. 1. Datenquelle prüfenMindestens zwei unabhängige Quellen vergleichen (z. B. BFS, ibani, jobs.ch).
  2. 2. Funktion und Erfahrungsstufe definierenEinstieg, mittlere Erfahrung oder Senior-Level mit Berufsbezeichnung abgleichen.
  3. 3. Ziel- und Untergrenze festlegenMedianwert als Basis, mindestens 10 % über dem Median für Verhandlungsspielraum.
  4. 4. Nettoeinkommen berechnenMit Steuerrechner des Wohnkantons und aktuellen Krankenversicherungsprämien.
  5. 5. Argumente vorbereitenErfahrung, Verantwortung, Marktlage (offene Stellen nach SECO).

Mehr aus Löhne

Löhne

Lohnabzüge in der Schweiz: AHV, IV, EO, ALV und BVG verstehen

Ausbezahlt wird nicht der Bruttolohn, sondern der Nettolohn: Der Arbeitgeber zieht die Beiträge direkt vom Lohn ab. Laut Raiffeisen betragen diese Abzüge insgesamt 14 bis 20 Prozent des Bruttolohns.

Branchen

Löhne nach Branche in der Schweiz: Was die Statistik zeigt

Das Bundesamt für Statistik (BFS) beziffert die Arbeitskosten im 2. und 3. Sektor auf 63.62 Franken je geleistete Stunde (Stand 2020). 79.7 Prozent davon entfallen auf Löhne und Gehälter.